Lehrmaterial: Pingen, Stollen, Schächte

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Vorbemerkung

Die augenfälligsten Merkmale des ehemaligen Eisenerzbergbaus im Siegerland und im Wieder Bezirk, die Fördertürme, sind längst verschwunden. Eine Ausnahme stellen der Förderturm zu Schacht II der Grube Georg dar, der als Industriedenkmal erhalten bleibt, und der auf der „Steinebacher Höhe“ neu (2013) errichtete Förderturm, der aus dem Harz herbei geholt wurde und an den Betrieb auf Grube Bindweide erinnern soll.
Weniger auffällig im Landschaftsbild sind die zahlreichen Pingen, Stollen und Schächte auf vielen Grubenfeldern. Auch im Sprachgebrauch der Einheimischen haben sich ihre Namen bis heute vielfach erhalten. Sie erinnern in ihrer Gesamtheit an das harte Bemühen der Vorfahren, die Eisenerzgänge zu „erschließen“, um sie abbauen zu können.

Definitionen

Pinge
Meist trichterförmige Erdvertiefungen, entstanden durch das Freigraben von zu Tage tretenden Erzgängen und durch den anschließenden Abbau der „ausbeißenden“ (= zu Tage tretenden) Erzgänge.

Pingenfeld
Verstreut beieinander liegende Pingen.

Pingenzug
hintereinander aufgereihte Pingen, entsprechend dem Verlauf des zu Tage tretenden Erzganges.

Stollen
Von der Erdoberfäche aus durch das Gestein gehauener, meist horizontaler Zugang in Richtung des Erzvorkommens.
Stollen können neben ihrer Hauptaufgabe, das Erzvorkommen zugänglich zu machen, weitere Funktionen haben:

  • Wasserlösung (= Ableitung der Bergwasser),
  • Erzförderung,
  • Bewetterung,
  • Fahrung (Zugang zu den Abbauen)

Schacht
Meist senkrecht angelegter Grubenbau; im Erzgang selbst oder in dessen unmittelbarer Nähe niedergebracht; dient der Erschließung tief liegender Mineralien.
Im Abstand von gewöhnlich 40 bis 50 m werden aus dem Schacht die Sohlen angesetzt.
Weitere Funktionen:

  • Erzförderung,
  • Personenförderung,
  • Bewetterung,
  • Wasserhaltung.


Sohlen
Meist waagerecht vom Schacht aus in Richtung des Erzganges angelegte Strecken. Diese dienen dem Abbau, der Förderung, der Wassserhaltung, der Bewetterung.

Methodische Hinweise

Die bergbaulichen Begriffe „Pinge“, „Stollen“ und „Schacht“ sollten im vorbereitenden Unterricht voraufgehend zu einer Exkursion zur Grube Bindweide sowohl in der Grundschule, der SEk.–Stufe I und in der gymnasialen Oberstufe vermittelt werden. Mit dieser Vermittlung werden folgende Unterrichtsziele verknüpft:

  • Die Schüler sollen diese Begriffe als eine wichtige Voraussetzung für eine Befahrung einer Eisenerzgrube kennen lernen.
  • Im bisherigen Unterricht haben die Schüler von der Entstehung der Erzgänge erfahren. Nun sollen sie erkennen, wie diese Erzvorkommen durch bergmännische Arbeit „aufgeschlossen“ wurden, um sie anschließend abbauen zu können.
  • Die Schüler sollen erkennen, wie aufwändig sich oft diese „Aufschlussarbeiten“ gestalteten.
  • Älteren Schülern der Sek.-Stufe I und der gymnasialen Oberstufe sollte an Hand der Begriffe „Pingen“, „Stollen“ und „Schacht“ und „Sohlen“ die fortschreitende technische Entwicklung im heimischen Eisenerzbergbau vermittelt werden.
  • Schülern höherer Klassen sollten durch die Darstellung der aufwändigen Aufschlussarbeiten (durch Pingen, Stollen, Schächte und Sohlen) erkennen, dass die heimischen Eisenerzgruben gegenüber anderen Erzanbietern auf dem Weltmarkt letztlich nicht mehr konkurrenzfähig waren und dass dadurch der Siegerländer – Wieder Eisenerzbergbau sein Ende finden musste (1965: letzte Gruben: Grube Georg (Willroth) und Grube Füsseberg (Daaden-Biersdorf). Über die vermuteten Restvorräte beispielsweise der Grube Bindweide nach ihrer Schließung 1930 (ca. 11 Mio. Tonnen) kann diskutiert werden: Was geschieht damit?
  • Die zahlreichen zur Vermittlung der Begriffe „Pingen“, „Stollen“, „Schächte“ und „Sohlen“ zur Verfügung stehenden Unterrichtsmaterialien (Fotos, Zeichnungen, schematische Darstellungen, Grafiken) erfordern eine Auswahl, die der Lehrer nach Sichtung zu treffen hat.
  • Alle Materialien sind zur Projektion im Klassenzimmer geeignet und können als Reproduktion (Kopie) Eingang in die Schüler-Arbeitsmappe finden.

Didaktische Hinweise

Den Schülern wird durch die Vermittlung der Begriffe „Pingen“, „Stollen“, Schächte“ und „Sohlen“ an Hand der gebotenen U.-Materialien eine Fülle bergbaulichen Fachwissens zugänglich gemacht. Die ausgewählten Arbeitsmaterialien können dazu beitragen, dass Schüler teils durch Eigenarbeit (vorwiegend Bildbetrachtung und Diskussion), teils unter Anleitung des Lehrers die unterschiedlichen Arten der Aufschlussarbeiten des Bergmanns verstehen.

Materialien

Die folgend aufgeführten Materialien können einzeln abgespeichert und im Unterricht verwendet werden. Alternativ kann die Gesamtmappe "Pingen, Stollen, Schächte" im PDF Format heruntergeladen werden.


AM 3.1 Arbeit in einer Pinge

Das Material zeigt einen Bergmann, der eine Pinge aufgeworfen hat. Er ist „fündig“ geworden und hat erzhaltiges von taubem Gestein getrennt und zur Seite gelegt. Für Grundschüler mag von Interesse sein, dass Märchen und Sagen von Bergbau treibenden Zwergen berichten. Dies kann auf Pingenarbeit zurückgeführt werden. (Bergleute in den Pingen waren von Weitem nur teilweise zu sehen und wirkten zwergenhaft.)
Allen Klassenstufen kann das Wort „Pinge“ als lautmalendes Wort erklärt werden. („Pinge“ ahmt das Geräusch nach, das beim Aufschlagen der Keilhacke auf hartes Gestein entsteht.)

AM 3.2 Reste von Pingen in einem Hochwald

Im Umfeld der Eisenerzgruben an Sieg und Wied können heute noch in den Wäldern zahlreiche Pingen, Pingenzüge und Pingenfelder entdeckt werden, wenn die Erdoberfläche seit den Jahren des aktiven Bergbaus nicht durch Landschaft verändernde Maßnahmen zerstört wurde. Wichtiger Hinweis: Pingen sollten nie betreten werden! Sie könnten nachstürzen oder durch darunter befindliche Abbauhohlräume einbrechen. Vorsicht bei Schulwanderungen!</div>

AM 3.3 Grubenkarte Pingen

Das Material gibt einen Auszug aus einer Karte der Grube Friedrich Wilhelm bei Horhausen wieder. Man hat das „Ausgehende“ von Erzgängen entdeckt und in Pingen das erreichbare Erz abgebaut. (Senkrechtschnitt, bergmännisch: Seigerriss)</div>

AM 3.4 Grubenkarte Pingenfeld und Pingenzug

Das Material zeigt, wie der Erzabbau in hintereinander sich hinziehenden Pingen dem „ausgehenden“ Erzgang folgt. Verstreut liegende Pingen deuten an, dass der Erzgang in deren Bereich weniger linienartig zu Tage trat, sondern gestreut.</div>

AM 3.5 Erzgänge, Pingen, Stollen ( Schema)

Unter Verwendung von M3 wird dargestellt, wie mit Hilfe eines Stollens und eines Schachtes das anstehende Eisenerz in größerer Tiefe („Teufe“) für den Abbau aufgeschlossen werden kann.</div>

AM 3.6 Vor dem Stollenmundloch

Ein Stollen ist für längere Zeit angelegt worden. Dies ist an dem aufwändig gebauten Stollenportal zu erkennen. Zur leichteren Förderung der gewonnenen Erze hat man für die Förderwagen Schienen verlegt.</div>

AM 3.7 Bergleute vor dem Tiefen Stollen

Bergleute bereiten sich vor dem „Tiefen Stollen“ der Grube Bindweide darauf vor einzufahren. Sie entzünden ihr Geleucht (Carbidlampen).</div>

AM 3.8 Schema Alvensleben Stollen

Stollen erfüllten oft mehrere Zwecke, so beispielsweise der Alvenslebenstollen der Grube Louise bei Bürdenbach (Krs. Altenkirchen). Er schloss den Erzgang der Grube tiefer auf als ältere, höher angesetzte Stollen. Er diente ferner zur Erzförderung, zur Ableitung des Grubenwassers (überwölbte Rösche), zur Bewetterung und zur Fahrung.</div>

AM 3.9 Schema Tiefer Stollen Bindweide

Als Schema vereinfacht wird der Querschnitt des „Tiefen Stollens“ der Grube Bindweide dargestellt. Die offene Rösche ist seitlich angelegt. Die Geleise und Schwellen der Förderbahn liegen auf der festen Stollensohle.</div>

AM 3.10 Schnitt durch einen Haspelschacht

Das Material zeigt einen einfachen, vielleicht mittelalterlichen Haspelschacht (haspeln = drehen). Die Erzförderung geschieht mit Kübeln am Seil. Der Bergmann erreicht die Tiefe („Teufe“) über eine „Fahrt“ (=Leiter). (aus Lehrmaterial der Siegerländer Erzbergbau AG)</div>


AM 3.11 Einfahrt des Bergmanns in den Schacht

Die gleiche Bildaussage ist in der Zeichnung von Karl Heupel enthalten. Sie eignet sich besonders für Schüler der Grundschule. Vom „Einfahren“ in die Grube auf dem „Arschleder“ ist aus dem Bergbau an Sieg und Wied bisher wenig bekannt.</div>

AM 3.12 Das Anlegen einer Sohle

Das Material ist für Grundschulklassen zu empfehlen. Karl Heupel zeigt, wie vom tiefsten Punkt eines Schachtes beidseitig durch „Schlägel- und Eisenarbeit“ in Richtung des vermuteten Eisenerzes „Sohlen“ oder „Querschläge“ angelegt werden.</div>

AM 3.13 Agricola Schächte

Das Material zeigt eine Bergbaulandschaft mit Schächten. Die Details können von Schülern aller Klassenstufen erarbeitet werden. (Agricola)</div>

AM 3.14 Idealschnitt Spateisenerzgrube

Das Material zeigt den Gangerzbergbau einer modernen Siegerländer Eisensteingrube. Wegen der Komplexität der Zeichnung ist anzuraten, sie als Arbeitsmaterial erst ab der SEK.-Stufe I einzusetzen. Die Beschriftung ist weitgehend hilfreich, so dass Schüler viel Eigentätigkeit entwickeln können. Unbekannte Begriffe werden teils im nachfolgenden Unterricht durch eigene Recherche oder bei einer Exkursion zur Grube Bindweide erarbeitet. Die Schemazeichnung verzichtet auf die Darstellung eines Stollenbetriebes aus er frühen Betriebszeit einer Siegerländer Grube.

AM 3.15 Seilfahrt auf einer Siegerländer Spateisensteingrube

Das Material zeigt Bergleute einer Siegerländer Eisenerzgrube am Schacht. Einige haben den mehrstufigen Förderkorb zur Ausfahrt schon bestiegen, andere warten auf die nächste „Personenförderung“ nach Übertage.</div>