Schloss Friedewald

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Schloss Friedewald
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Steckbrief
Schutzstatus: Kulturdenkmal
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Das Schlossdorf Friedewald (Foto: mantomedia)
Die Renaissance-Fassade des Haupthauses im Schloss Friedewald (Foto: mantomedia)
Im 18. Jahrhundert wurde das Schloss Friedewald zum Steinbruch (Abb.: Heimatfreunde Daadener Land>; M. Rosenkranz)
Notgeld des Kreises Altenkirchen von 1921 (Abb.: Heimatfreunde Daadener Land>; M. Rosenkranz)

Dier Schutz- und Trutzburg

„… und erlauben, dort eine Stadt zu bauen und sie mit Mauern, Wall und Graben zu befestigen. Wir verleihen ihr alle Rechte und Freiheiten, die unsere Reichsstadt Frankfurt hat …“ So steht es in der Gründungsurkunde aus dem Jahr 1324, mit der Graf Gottfried II. zu Sayn von König Ludwig (und späterem Kaiser) von Bayern die Stadtrechte für Friedewald erworben hatte. Dies war der Startschuss zum Bau einer Schutz- und Trutzburg.
Mit ihrer Hilfe gelang es Graf Gottfried Jahre später, den Raubritter Albert von Seelbach in die Flucht zu schlagen. Dieser versetzte damals von seiner Burg auf dem Hohenseelbachskopf (Herdorf) aus die gesamte Umgebung in Angst und Schrecken.

Das Renaissanceschloss

Erbstreitigkeiten, Erbteilungen und getrennte Hofhaltungen hatten zur Folge, dass die Burg in den nächsten beiden Jahrhunderten immer mehr verfiel, bis sich im Jahr 1580 Heinrich der IV. zu Sayn ihrer annahm. Er errichtete das Haupthaus mit der unverwechselbaren Renaissancefassade. Heinrich starb 1606 ohne direkten Erben, hatte aber seine Nichte Anna-Elisabeth, Gemahlin des Grafen Wilhelm von Sayn-Wittgenstein als solche eingesetzt.
Graf Wilhelm ließ das Schloss erneuern und seine Befestigungen verstärken. Doch auch dies konnte nicht verhindern, dass die Burg während des 30jährigen Krieges (1618 - 1648) stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Nach kurzer Zeit des Protektoriums unter Kaiser Ferdinand II. – Zeichen davon sind noch immer am Schloss zu erkennen, nämlich der Kaiserliche Adler sowie das Reichswappen – fiel das Schloss Friedewald erneut dem Verfall zum Opfer. Ab 1815 war die Anlage einige Jahrzehnte Eigentum Preußens und beherbergte bis 1865 das Königliche Kreisgericht inklusive Registratur und Gefängnis.
Danach nutzen die Bewohner Friedewalds das Schloss als Steinbruch. Sie baten die nassauische Regierung, das Balkenholz zum Heizen freizugeben und so gewöhnten sich die Friedewälder daran, sich alle notwendigen Baumaterialien im Schloss zu besorgen. Es drohte das Ende des Schlosses, doch es sollte anders kommen.

1886 erwarb Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Graf von Hachenburg, das Schloss für nur fünf preußische Taler vom Fiskus, allerdings mit der Auflage, es zu restaurieren. Dies tat er mit großem Kunstsinn und Akribie. Neun Jahre später war der Wiederaufbau beendet und unter dem Jubel der Dorfgemeinde zog Alexander in das wieder hergestellte Schloss ein. Doch sein übergroßer Enthusiasmus hatte ihn stark verschuldet: Er musste Schloss Friedewald veräußern.

1912 verkaufte er es für 450.000 Mark an Prinz Otto von Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Dieser ließ vor dem Ersten Weltkrieg weitere Nebengebäude erbauen, wie das Oberförster-Haus und die Gebäude um den äußeren Schlosshof.

Seit 1949 ist die Evangelische Sozialakademie hier beheimatet und seit 2004 wird das Schloss auch von der Stiftung Sozialer Protestantismus genutzt. Als Erinnerung an König Ludwig steht ein Denkmal auf dem Burggelände mit Blick über das Daadetal zum Hohenseelbachskopf.

Basalt und Schiefer

Der mittelalterliche Gebäudering war ursprünglich mit einem Graben umgeben, der durch eine eigene Wasserleitung geflutet werden konnte und so Schutz vor unerwünschten Eindringlingen bot. Die über eine Treppe zugängliche Zugbrücke führte direkt in den Haupteingang und war bis ins letzte Jahrhundert noch erhalten.
Der Hauptbau, das so genannte Herrenhaus, ist in die späte Renaissance einzuordnen und noch heute ein ebenso schönes wie seltenes Beispiel dieser Epoche. Die Ähnlichkeit zum Friedrich-Bau des Heidelberger Schlosses rührt nicht von ungefähr: Heinrich IV. zu Sayn war sehr gut mit Kurfürst Friedrich von der Pfalz befreundet. Die Front des Herrenhauses ist komplett mit Basaltlava verkleidet, die jedoch nicht aus den zahlreichen Basaltvorkommen der Umgebung stammte. Das hier verbaute Gestein musste mit Fuhrwerken aus der Eifel heran transportiert werden.
Trotz des verhältnismäßig schwer zu verarbeitenden Materials wurden sehr filigrane Profile heraus gearbeitet. Zu sehen sind im Sockelbereich Löwengesichter, die beiden Herkules-Motive, das Wappen von Heinrich und seiner Gemahlin sowie Figuren in den Muschelnischen, welche die fünf Kardinaltugenden darstellen (Weisheit, Gerechtigkeit, Wahrheit, Mäßigung und Stärke).

Der markante Zwiebelturm ist ebenfalls ein typisches Merkmal der Renaissance. Er ist, wie alle Gebäudeteile, mit blaugrauem Dachschiefer gedeckt. Dessen Abbau war einst im Westerwald und im Siegerland von größerer Bedeutung. Auch am Druidensteig liegt ein ehemaliges Dachschieferbergwerk: Die Schiefergrube Assberg bei Limbach gehörte mindestens seit der Mitte des 16. Jahrhunderts zum Kloster Abtei Marienstatt, war aber auch schon früher Lieferant für zahlreiche Dachschieferdeckungen von Gebäuden in der Umgebung. Sie gehört zu den ältesten und größten der Region und ist einen Besuch wert.


Verfasser: Christoph Eul (Diskussion) 16:19, 21. Okt. 2014 (CEST)