Zwangsarbeiterlager (Wissen): Unterschied zwischen den Versionen

Aus QR-KULTUR
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 47: Zeile 47:
 
<br>
 
<br>
 
''„Zwei Ostarbeiterinnen hatten sich am 11. März 1945 aus einem von Bomben zerstörten Geschäft im Ort einiger auf der Straße verstreuter Textilien bemächtigt. Dieser Tatbestand wurde den beiden Russinnen im Alter von 19 und 24 Jahren als Plünderung zur Last gelegt. Das reichte nach den damaligen Gesetzen aus,
 
''„Zwei Ostarbeiterinnen hatten sich am 11. März 1945 aus einem von Bomben zerstörten Geschäft im Ort einiger auf der Straße verstreuter Textilien bemächtigt. Dieser Tatbestand wurde den beiden Russinnen im Alter von 19 und 24 Jahren als Plünderung zur Last gelegt. Das reichte nach den damaligen Gesetzen aus,
−
um sie einige Tage später und kurz vor Kriegsende auf dem Wissener Waldfriedhof zu erschießen …“''<br>
+
um sie einige Tage später und kurz vor Kriegsende auf dem Wissener Waldfriedhof zu erschießen …“ ''<br>
 
<br>
 
<br>
 
Bei Fliegerangriffen 1945 kamen 28 Lagerinsassen ums Leben. Die Fundamente der Baracken sind im umliegenden Gelände noch zu erkennen.<br>
 
Bei Fliegerangriffen 1945 kamen 28 Lagerinsassen ums Leben. Die Fundamente der Baracken sind im umliegenden Gelände noch zu erkennen.<br>
 
<br>
 
<br>
 
[[Kategorie: Verbandsgemeinde Wissen]]
 
[[Kategorie: Verbandsgemeinde Wissen]]

Version vom 26. November 2025, 12:10 Uhr

Zwangsarbeiterlager (Wissen)
GeoStation an der
GeoRoute Spazierweg
Industriekultur Wissen (Wissen)
Die Karte wird geladen …
Steckbrief
direkter Link zum Artikel
www.qltr.de/qrka0282
Beitrag gefördert durch
LEADER-Kennzeichnung 23.png

Fast alle Metall verarbeitenden Betriebe und Bergwerke im Westerwald hatten während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt. Die Zwangsarbeiter waren in insgesamt 22 Unterkünften im Kreis Altenkirchen untergebracht.

Sie arbeiteten in Bergwerken, Hütten, Walzstraßen, Steinbrüchen und auf dem Feld. Das Weißblech-Walzwerk in Wissen, ein Betrieb der späteren Nachfolgegesellschaft Hoesch Siegerlandwerke AG, beschäftigte während des Krieges offensichtlich die meisten Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter.

Nach Angaben der Betriebsverwaltung waren in der Zeit von Januar 1943 bis Frühjahr 1945 insgesamt 1.479 Personen als ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene im Walzwerk Wissen beschäftigt:

  • Zivilarbeiter: Russen
  • Kriegsgefangene (nur männl.)
  • männlich 205 Franzosen 348 Holländer 51

weiblich 370 Russen 240 Polen 3 Italiener 203 Serben 2 Belgier 57
Zur Beaufsichtigung der Gefangenen waren 25 Luxemburger eingesetzt. Zivilarbeiter und Kriegsgefangene waren in allen Bereichen des Werkes eingesetzt. Ferner wurden einige Zwangsarbeiter bei Landwirten der Umgebung zu Erntearbeiten ausgeliehen.

Die Personen waren nach Nationalitäten getrennt in einem großen Barackenlager im Werksbereich, bestehend aus 12 Holzbaracken auf der Bornscheidt, untergebracht. Die Stuben waren oftmals für 18 Personen ausgelegt, nur 6,00 m x 7,00 m groß und mit Etagenbetten, einem langen Tisch und einigen Hockern ausgestattet. Die Verpflegung war, der allgemeinen Notsituation entsprechend, sehr schlecht. Die Gefangenen konnten unter Aufsicht des Lagerleiters zum Teil selbst ihre Mahlzeiten zubereiten. Trotz möglicher Strafen gab es in der deutschen Zivilbevölkerung manche, die den Gefangenen mit einem „Butterbrot“ halfen.

Die so genannten Ostarbeiter, insbesondere sowjetische Kriegsgefangene, unterlagen weit mehr den Repressalien, als das bei ihren westlichen Kameraden der Fall war:

„Zwei Ostarbeiterinnen hatten sich am 11. März 1945 aus einem von Bomben zerstörten Geschäft im Ort einiger auf der Straße verstreuter Textilien bemächtigt. Dieser Tatbestand wurde den beiden Russinnen im Alter von 19 und 24 Jahren als Plünderung zur Last gelegt. Das reichte nach den damaligen Gesetzen aus, um sie einige Tage später und kurz vor Kriegsende auf dem Wissener Waldfriedhof zu erschießen …“

Bei Fliegerangriffen 1945 kamen 28 Lagerinsassen ums Leben. Die Fundamente der Baracken sind im umliegenden Gelände noch zu erkennen.