Siegener Hauptüberschiebung (Kirchen): Unterschied zwischen den Versionen

Aus QR-KULTUR
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
Zeile 1: Zeile 1:
 
{|class="wikitable" style="float:right; margin-left:1em"
 
{|class="wikitable" style="float:right; margin-left:1em"
−
! colspan="2" | Siegener Hauptüberschiebung (Kirchen/Sieg)
+
! colspan="2" | Siegener Hauptüberschiebung (Kirchen)
 
|-
 
|-
 
! colspan="2" align="center" | ''Infopunkt am  <br> [[Historischer Spazierweg (Kirchen)|Historischen Spazierweg Kirchen]]''
 
! colspan="2" align="center" | ''Infopunkt am  <br> [[Historischer Spazierweg (Kirchen)|Historischen Spazierweg Kirchen]]''

Aktuelle Version vom 15. Oktober 2026, 13:33 Uhr

Siegener Hauptüberschiebung (Kirchen)
Infopunkt am
Historischen Spazierweg Kirchen
Die Karte wird geladen …
Steckbrief
direkter QR-Code zum Beitrag
www.qltr.de/qrka0124

Die Kirchener Loreley

Der Siegerland-Wied Distrikt ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges, ein Falten-Vorland Überschiebungsgürtel, der während der Varistischen Gebirgsbildung durch tektonischen Zusammenschub eines flachen Devon-Schelfmeeres im beginnenden Oberkarbon um 314 Millionen Jahren entstanden ist.

Die im Hintergrund sichtbaren Felsen am Prallhang der Sieg bestehen aus schwach metamorphen Tonschiefern, Silt- und Sandsteinen der unterdevonischen Hamberg Schichten. Diese sind Teil einer geologischen Verwerfungszone, einem Ast der Siegener Hauptaufschiebung, die sich nordöstlich Betzdorf verzweigt und den Faltenbau in einzelne Schuppen untergliedert.

Strukturgeologisch grenzt hier die Kirchener Schuppe im Nordwesten an die Molzberg Schuppe. Hamberg Schichten der obersten Unteren Siegener Schichten sind auf ungegliederte bandflaserige bis flaserige Tonschiefer und Sandsteine der Mittleren Siegener Schichten aufgeschoben.

Molzberg- und Kirchener Schuppe sind Teil einer größeren Baueinheit, der Betzdorf-Weidenauer Schuppenzone. Der ansonsten charakteristische, relativ gleichförmig, NE-SW streichende Faltenbau ist durch eine intensive Störungstektonik überprägt. Prägendes Element ist die Siegener Hauptaufschiebung, die sich zur Erdoberfläche hin in mehrere Äste aufspaltet. Nordwestlich der Molzberg-Schuppe bildet der nördliche Ast der Siegener Hauptaufschiebung mit einem größeren Versatzbetrag die Grenze zwischen Betzdorf-Weidenauer Schuppenzone und Freudenberg-Wehbacher Faltenzone.

Diese bis in 12 km Tiefe reichende, konkav zur Erdoberfläche hin gekrümmte Störung war eine bedeutende Wegsamkeit für den Aufstieg hydrothermaler, metallführender Fluide in die obere Erdkruste.

Während der Hauptfaltungsphase kam es zum Zusammenschub der Sedimentbeckenfüllung. Faltung und Schieferung wurden angelegt. Im Zuge der nach NW gerichteten Pressung öffneten sich, symmetrisch zum Faltenbau, in N-S und E-W Richtung verlaufende Diagonalscherspalten als Schrägabschiebungen, die sich überwiegend mit Siderit und Quarz, aber auch Ankerit und örtlich mit Eisensulfiden füllten. Während der weiteren Faltung und Einengung wurde eine raumgreifende Nordwest vergente Schieferung angelegt, und es kam schließlich zum Überwiegen der Störungstektonik gegenüber der Faltung. Aufschiebungs- und Schrägaufschiebungssysteme dominierten während dieses Stadiums die Deformation und es kam zur Heraushebung des Gebirges.

Durch die Störungsaktivität wurden bereits vorhandene Gangsysteme reaktiviert, und neue Gänge angelegt. In der Spätphase dieser Heraushebung kam es wiederum zu schrägabschiebenden, raumschaffenden Bewegungen.

Besonders im Bereich der Betzdorf-Weidenauer Schuppenzone kam es dabei zur Aufwärtsbewegung Hydrothermaler Fluide und der Bildung goldführender Quarz-Kobalt- ± Kupfererzgänge. Einer der bedeutendsten Vererzungen dieser Art findet sich in der Kirchener Schuppe auf der Kobalterzgrube Alexander , einige hundert Meter weiter südlich des Standortes gelegen.

Weitere Kobalterzvorkommen finden sich auf den Gruben Alexis, Alexandrine, Junger Alexander, Junger Wald und Rehzug.

Verfasser: Dr. Andre Hellmann