Bahnhof Wirges (Wirges)
| Bahnhof Wirges | |
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| GeoStation an der Georoute Glasstadt Wirges | |
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Heute hat das historische Bahnhofsgebäude in Wirges nur noch eine private Nutzung. Vor mehr als 100 Jahren ging von hier der Impuls für die Entwicklung des kleinen Ortes Wirges hin zu einem bedeutenden Industriestandort aus.
Als die Eisenbahn kam
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Verkehrsanbindungen im Westerwald nur schlecht ausgebaut. Der Abtransport der in dieser Region reichhaltig vorkommenden Rohstoffe konnte nur mit sehr zeitaufwendigen und damit kostenintensiven Transporten erfolgen. Auch der Abtransport von hergestellten Produkten war herausfordernd.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass bereits in den 1840er Jahren die größeren Industriebetriebe, wie beispielsweise die "Siegensche Hütten- und Hammer-Kooperation" oder eine belgisch-englische Gesellschaft, immer wieder Überlegungen zur Erschließung des Westerwalds mit der Eisenbahn anstellten.[1]
In den 1850er Jahren wurde zunächste eine Eisenbahnlinie durch das Siegtal umgesetzt. Die Deutz-Gießener Bahn führte im Westerwald über Betzdorf bis nach Wetzlar und wurde bis 1862 durchgehend in Betrieb genommen.[2] Etwa zeitgleich wurde auch die Lahntalbahn gebaut.
Für Wirges sollte es jedoch noch einige Jahre dauern, bis auch hier eine Dampflok Station machen würde. 1870 wurde eine Eisenbahnlinie, die Oberwesterwaldbahn, von Limburg nach Hadamar eröffnet. 1881 begonn man dann mit der Fortführung bis nach Westerburg und weiter bis Altenkirchen. Erst 1887 wurde der gesamte Streckenverlauf zwischen Hadamar und Au (Sieg) gebaut. Zuvor hatte es deutliche Verzögerungen im Abschnitt zwischen Hachenburg und Westerburg gegeben.
Anfang 1872 begann man mit Überlegungen einer weiteren Eisenbahnlinie von der Rheintalbahn bei Vallendar aus durch das Kannenbäckerland bis Montabaur und weiter bis zur Lahntalbahn nach Limburg. Ein Abzweig sollte über Altenkirchen bis zur Deutz-Gießener Bahn im Siegtal bei Au geführt werden. Nach langen Überlegungen entschied man sich 1876 für den Bau mit Ausgangspunkt in Engers. Hierdurch konnten die Hüttenwerke in Mülhofen und Bendorf an das Eisenbahnnetz anbegunden werden. Zudem konnten zahlreiche Bergwerke und Trachytbrüche erschlossen werden und es bestand nun die Möglichkeit, das Eisenerz aus dem Lahn-Dill-Revier an die Hüttenwerke am Rhein zu transportieren. Der Betrieb wurde 1884 aufgenommen.[3]
Die Industrie kommt nach Wirges
Der Standort Wirges wurde durch den Bau der Eisenbahnlinie nun auch für die Industrie interessant. Die neue Verkehrsanbindung ermöglichte jetzt den Transport großer Gütermengen. Somit konnten Rohstoffe heran- und fertige Produkte abtransportiert werden.
Ein Schamottewerk entsteht
Im Jahr 1891 entschied sich die „Fabrik feuer- und säurefester Produkte Aktien Gesellschaft" mit Sitz in Vallendar zum Bau einer Schamotteproduktion am Standort Wirges. Der Rohstoff Ton kam in den zwischen der Unterwesterwaldbahn und Ebernhahn liegenden Tongruben in großer Menge vor. 1894 arbeiteten hier über 300 ortsansässige Arbeiter in der Schamotteproduktion. Die fertigen Produkte konnten direkt auf die Eisenbahn verladen werden.
Die große Nachfrage führte 1898 zu einer Erweiterung des Schmaottewerks[4].
Wirges wird Glasstadt
Die „Fabrik feuer- und säurefester Produkte Aktien Gesellschaft", die bereits das Schamottewerk errichten ließ, baute im Jahr 1894 am gleichen Standort auch eine Glasfabrik sowie eine chemische Fabrik.[5]
Warum der Standort ausgewählt wurde ist bisher nicht eindeutig nachgewiesen. Es wird vermutet, dass man den nahegelegenen Malberg, eine aus Phonolith bestehende Kuppe, als Rohstoff für das Glas verwenden wollte. Ein eiligst eingerichtetes Naturschutzgebiet ließ hier jedoch keinen Abbau mehr zu.
Stattdessen nutze man die Eisenbahn und brachte, bis heute, den Rohstoff für das Glas aus den Steinbrüchen in der Osteifel bis nach Wirges.
Ein weiterer Aspekt, der für den Standort Wirges sprach, waren die nahegelegenen Mineralwasserbrunnen im Lahntal. 1894 pachtete Friedrich Siemens den Mineralbrunnen Fachingen und konnte somit den Absatz der Glasflaschen sicherstellen.
Selbst nach einem Konkurs der Vallendarer Firma bleibt der Standort weiter interesant. Im Jahr 1902 erwarb die Friedrich Siemens AG aus Dresden das Werk und modernisiert es. Der Standort Wirges ist bis heute in Betrieb.
Einrichtungen am Bahnhof Wirges
Der Bahnhof in Wirges wurde zu einem Umschlagplatz für Güter erweitert.
Die Siemens-Werksbahn
Die fertigen Produkte aus der Schamottefabrik und der Glasfabrik wurden auf die Normalspurbahn verladen. Hierzu wurde ein Normalspurgleis vom Bahnhof Wirges aus bis in das Werksgelänge gebaut.
Im Werk wurde ab 1913 eine elektrische Schmalspurbahn betrieben, von der aus man die fertigen Produkte direkt auf die Normalspurbahn umladen konnte. Hersteller der E-Loks war Werner Siemens. Diese Bahn bestand bis 1950 und wurde dann von kleine Dieselloks ersetzt.
Der Rangierbetrieb der Normalspur-Waggons erfolgte ab etwa 1930 mit Hilfe einer kleinen Dampflok. Diese wurde 1960 durch eine Diesellok der Firma Jung ersetzt.[6].
Um 1950 wurde diese dann durch eine dieselbetriebene Kleinbahn ersetzt.
Tonverladung
In den 1950er Jahren wurde am Bahnhof Wirges auch Ton verladen. Hierfür befand sich an der Stelle, wo heute der Parkplatz des Verallia-Werks befindet, eine Verladeeinrichtung. Hier fuhren LKW auf eine Rampe und konnten so den Ton aus den umliegenden Gruben in die Eisenbahnwaggons abkippen.[7]
- ↑ vgl. Merzhäuser,W.; Wenzel, H. (1996): Eisenbahnen im Westerwald. EK-Verlag, S. 8
- ↑ vgl. Merzhäuser,W.; Wenzel, H. (1996): Eisenbahnen im Westerwald. EK-Verlag, S. 12
- ↑ vgl. Merzhäuser,W.; Wenzel, H. (1996): Eisenbahnen im Westerwald. EK-Verlag, S. 115
- ↑ Internet: http://www.bildarchiv-neumann.de, Stand 01.10.2025 (): .
- ↑ Internet: http://www.bildarchiv-neumann.de, Stand 01.10.2025 (): .
- ↑ Internet: http://www.bildarchiv-neumann.de, Stand 01.10.2025 (): .
- ↑ vgl. Merzhäuser,W.; Wenzel, H. (1996): Eisenbahnen im Westerwald. EK-Verlag, S. 115