Dornbergsiedlung (Wirges)

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Dornbergsiedlung (Wirges)
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Die Werkssiedlung am Dornberg

Blickt man entlang der „Hans-Böckler-Straße, der „Walter-Liebig-Straße“ und der „Jahnstraße“, so fällt die enge, bis an die Fahrbahn reichende Bebauung auf. Diese gehört zu den Spuren der Glasindustrie, die sich im Stadtbild wiederfinden.

Mit der Anbindung an die Eisenbahn durch den Bau der Strecke von Limburg nach Altenkirchen, die 1884 eröffnet wurde, begann die Industrialisierung in Wirges.

Die damals etwa 1.000 Einwohner zählende Gemeinde erhielt weitab vom Ortskern einen Bahnhof. Hier sollte fortan die Keimzelle einer rasanten industriellen Entwicklung von Wirges liegen.

Aufrund der Errichtung der Schamotte- und Glasfabrik 1891-1895 unmittelbar am Bahnhof stieg der Bedarf an Arbeitskräften rapide an. Glasgefäße wurden zu dieser Zeit noch mit dem Mund geblasen und so brauchte man für die Herstellung der Produkte Fachkräfte, die es jedoch im Westerwald nicht gab. Diese wurden von außerhalb angeworben. Die neuen Arbeitskräfte kamen aus Böhmen, Schlesien, Österreich, Belgien, Holland, Ungarn, Russland, Italien und Litauen. Alleine in der Glasfabrik waren 1896 mehr als 1.000 Arbeiter beschäftigt. Die Einwohnerzahl von Wirges wuchs bis 1895 auf 3.777 Menschen an.

Für die neuen Mitbürger benötigte man nun den entsprechenden Wohnraum. Deshalb errichtete man hier am Dornberg, nahe an der Fabrik, werkseigene Arbeitersiedlungen in drei parallelen Straßenzügen. Auf Dornberg I erbaute man auf jeder Straßenseite zehn Doppelhäuser für zwei Familien. Dornberg II umfasste je fünf Mehrfamilienhäuser pro Straßenseite. Dornberg III war nicht mehr vollständig bebaut. Hier errichtete man vier große Mehrfamilienhäuser als Doppelhäuser.

Es gab zudem eine Wiese mit Waschtrog und einen kleinen Park. Alle Häuser hatten einen Anbau mit Plumpsklo, Ställe und Heuböden. Hinter den Häusern gab es kleine, durch Lattenzäune abgetrennte Gartenparzellen. Die Wasserversorgung erfolgte über Zapfstellen mit Handpumpe an jeder Straße.

Die Arbeiter der Kolonie waren zumeist Protestanten, weshalb man 1897 eine evangelische Kirche in der Grenzstraße baute. Da die Dorfschule in Wirges für die zahlreichen Kinder bald zu klein wurde, errichtete man 1898 eine größere Schule.

Zudem gab es vier Bäckereien, mehrere Lebensmittelgeschäfte, Gaststätten und Druckereien für die Versorgung, sowie den ersten Wirgeser Kindergarten.

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Nationalitäten, die am Dornberg lebten, entwickelte sich bald ein eigener Dialekt – eine eigene Industriekultur entstand.

In den Jahren 1956/57 wurden die Werkswohnhäuser wegen zunehmender finanzieller Schwierigkeiten der Eigentümerfirma Siemens-Glas AG zumeist an Werksangehörige verkauft.


Verfasser: Christoph Eul und Roger Lang