Girkenrother Igel (Girkenroth)

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Girkenrother Igel (Girkenroth)
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Steckbrief
GeoTop: Basaltformation
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Am Westhang des Ruhberges in der Ortsgemeinde Girkenroth tritt Basaltgestein zu Tage, welches auffällige Säulen bildet. Ein wenig wie ein steinerner Igel anmutend, erzählen uns diese Gesteinssäulen eine geologische Geschichte:

Entstehung der Basaltsäulen

Basalt ist ein vulkanisches Gestein. Es entsteht aus einer glutheißen Gesteinsschmelze, dem Magma. Das Magma fließt entweder als Lava aus oder erstarrt im umgebenden Gestein. Beim Abkühlen der über 1000°C heißen Schmelze zieht sich diese zusammen, es kommt zu Spannungen und zur Ausbildung von Trennfugen mit meist fünf- oder sechsseitigem Umriss. Man kann sie mit den im Sommer oft zu beobachtenden Trockenrissen auf schlammigem Boden vergleichen, sie setzen sich aber im Gegensatz zu diesen von der Oberfläche ins Innere des Gesteins fort. Dabei liegt die Längserstreckung der sich so bildenden Säulen immer senkrecht zur Abkühlungsfläche des Lavastroms.
Grundsätzlich gilt: Je schneller die Abkühlung vor sich geht, desto dünner sind die sich bildenden Säulen.

Der Streit der Gelehrten

Die Ähnlichkeit mit den Rissbildungen in eingetrockneten Pfützen war auch mit ein Grund für einen erbitterten Wissenschaftsstreit über die Bildung der Basaltsäulen. Ende des 18. Jahrhunderts standen sich die Neptunisten und die Plutonisten unversöhnlich gegenüber.
Für die Neptunisten waren alle Gesteine, mit Ausnahme der sich aus tätigen Vulkanen bildenden, durch Kristallisation aus einem Ur-Ozean entstanden.
Die Plutonisten vertraten die Ansicht, dass die wesentlichen Gestaltungskräfte der Erde vom „Zentralfeuer“ im Erdinneren stammen und die Entstehung der Erde ein dynamischer Prozess sei. Ein prominenter deutscher Vertreter der Neptunisten war Johann Wolfgang von Goethe, ihm gegenüber stand Alexander von Humboldt für die Plutonisten.

1797 reimte Goethe noch:

Arme basaltische Säulen, ihr solltet dem Feuer gehören,
und doch sah euch kein Mensch je aus dem Feuer entstehn!

Am Scheibenberg in Sachsen soll es zu einem großen „Finale“ zwischen den beiden gekommen sein, der mit einem Sieg von Humboldts endete. Dieser Streit im sogenannten „Heroischen Zeitalter der Geologie“ zwischen etwa 1790 und 1830 spielte eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der modernen Geologie.
Verfasser: Roger Lang