Zwangsarbeiterlager (Wissen)
| Zwangsarbeiterlager (Wissen) | |
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| GeoStation an der GeoRoute Spazierweg Industriekultur Wissen (Wissen) | |
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| Steckbrief | |
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| www.qltr.de/qrka0282 | |
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Fast alle metallverarbeitenden Betriebe und Bergwerke im Westerwald beschäftigten während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Diese waren in insgesamt 22 Unterkünften im Kreis Altenkirchen untergebracht. Sie arbeiteten in Bergwerken, Hütten, Walzstraßen, Steinbrüchen und auf dem Feld. Das Weißblech-Walzwerk in Wissen, ein Betrieb der späteren Nachfolgegesellschaft Hoesch Siegerlandwerke AG, beschäftigte während des Krieges offensichtlich die meisten Kriegsgefangenen und Fremdarbeiter.
Am östlichen Rand des heutigen Gewerbegebietes zeugen noch die erhaltengebliebenen Latrinen des Zwangsarbeiterlagers von den Lebensbedingungen zu dieser Zeit. Die Fundamente der Baracken sind im umliegenden Gelände noch erkennenbar.
Nach Angaben der Betriebsverwaltung waren in der Zeit von Januar 1943 bis Frühjahr 1945 insgesamt 1.479 Personen als ausländische Zivilarbeiter und Kriegsgefangene im Walzwerk Wissen beschäftigt:
- Russische Zivilarbeiter: 250 Männer und 370 Frauen
- Kriegsgefangene (nur männl.): 348 Franzosen, 51 Holländer, 240 Russen, 3 Polen, 57 Belgier, 203 Italiener, 2 Serben
Zur Beaufsichtigung der Gefangenen waren 25 Luxemburger einteilt. Zivilarbeiter und Kriegsgefangene setzte man in allen Bereichen des Werkes ein. Ferner wurden einige Zwangsarbeiter zu Erntearbeiten bei Landwirten der Umgebung abgestellt.
Die Personen waren nach Nationalitäten getrennt in einem großen Barackenlager im Werksbereich, bestehend aus 12 Holzbaracken auf der Bornscheidt, untergebracht. Die Stuben waren oftmals für 18 Personen ausgelegt, nur 6,00 m x 7,00 m groß und mit Etagenbetten, einem langen Tisch und einigen Hockern
ausgestattet. Die Verpflegung war, der allgemeinen Notsituation entsprechend, sehr schlecht. Die Gefangenen konnten unter Aufsicht des Lagerleiters zum Teil selbst ihre Mahlzeiten zubereiten. Trotz möglicher Strafen gab es in der deutschen Zivilbevölkerung manche, die den Gefangenen mit einem „Butterbrot“ halfen.
Die so genannten Ostarbeiter, insbesondere sowjetische Kriegsgefangene, unterlagen weit mehr den Repressalien, als das bei ihren westlichen Kameraden der Fall war:
„Zwei Ostarbeiterinnen hatten sich am 11. März 1945 aus einem von Bomben zerstörten Geschäft im Ort einiger auf der Straße verstreuter Textilien bemächtigt. Dieser Tatbestand wurde den beiden Russinnen im Alter von 19 und 24 Jahren als Plünderung zur Last gelegt. Das reichte nach den damaligen Gesetzen aus, um sie einige Tage später und kurz vor Kriegsende auf dem Wissener Waldfriedhof zu erschießen …“
Bei Fliegerangriffen 1945 kamen 28 Lagerinsassen ums Leben. Die Fundamente der Baracken sind im umliegenden Gelände noch zu erkennen.